Wer eine Reise tut, der kann auch was erzählen.

Dienstag, 02. November 2021

Vom beschaulichen Dorf in die Großstadt! Oder zum Haareraufen oder zum Schmunzeln.

Endlich mal raus aus dem Glatttal, aus dem Heimbachtal, weg vom Dürrenmettstetter Hochplateau. Hinaus in die weite Welt, nach Freudenstadt. Von dort  zu Fuß nach Klosterreichenbach.

Wanderführer Hans R. schlug als Treffpunkt den kostenfreien Parkplatz an der Ludwig-Jahn-Straße oder an der Gustav-Werner-Straße vor. Doch leider waren diese größtenteils belegt und so parkte man eben im Wohngebiet oder da, wo noch eine Lücke war. Das hatte später aber fatale Folgen. Mit lauten Rufen und hektischem Winken war dann endlich die Hammelherde zusammen und wurde von Hans unfallfrei über die Besenfelder Straße getrieben. Ruhe kehrte ein, es ging hinein in den Wald.

Hans beim Friedensbaum auf der Suche nach seiner Schnapsflasche.

Der Friedensbaum, der 1871 als Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg gepflanzt wurde, war als Zwischenziel angegeben. Die Vorhut drängte an jeder Abzweigung talwärts, aber Hans wusste es besser. Oben bleiben und dann auch noch gemeine Steilanstiege. Das hatte man nicht erwartet, wo es doch ins Murgtal gehen sollte. Leider war der riesige Mammutbaum inzwischen gefällt, lag friedlich von Fäulnispilzen befallen auf der kleinen Lichtung. Hans wollte ein Schnäpsle servieren, aber ein heftiger Regenschauer trieb die Männer weiter, bergauf, was gar nicht gut ankam. Mancher sog die herrliche Waldluft so intensiv auf, dass er stehenbleiben musste um nicht in Atemnot zu kommen. Der Zimmerplatz kommt als nächstes, gab Hans bekannt. Doch er kam nicht und als es hieß, wir hätten weiter oben rechts gehen müssen, kam er doch. Erleichtert packte Hans endlich seinen Rucksack aus und eine Williams-Christ Fahne zog an den Tannen empor.

Gedränge beim Desinfizieren.

Beschwingt ging es talwärts, steil sollte es werden bis hinunter zum Freibad. Steil war es nicht, endlose Serpentinen und statt am Freibad stand man plötzlich am Friedhof. Seltsam. Geduldig und ohne zu murren wurde auch der letzte Kilometer zum Gasthaus Adler zurückgelegt. „Lauter Männer“, wunderte sich die Wirtin. Auf einer großen Tafel wurden verschiedene Gerichte angeboten. Nach über elf Kilometern waren Hunger und Durst kaum noch auszuhalten und es wurde gevespert bis die Bratwürste, der Ochsenmaulsalat, der Wurstsalat oder das Schnitzel vertilgt und die Brotkörbe leer waren. Der Wanderführer drängte zum Bahnhof, denn laut Bedienung mussten 16 Einzelfahrkarten gelöst werden.

Wer lesen kann ist immer im Vorteil. Und Gruppenpreise sind meist günstiger als Eizelkarten.

Als sich dann am Automaten alle durch das Menü gequält und eine Fahrkarte erworben hatten, stellte Hans B. fest…egal, der Zug brachte die DienstagsWanderer rasch nach Freudenstadt. Am Stadtbahnhof raus aus der Bahn, die einen links, die anderen rechts durch die Schranken. Hans hatte die Kontrolle über seine Hammelherde verloren, verabschiedete sich und ging seines Weges. Das hätte er nicht tun sollen. 15 Männer überquerten die Bahngleise, passierten das Martin-Haug-Stift und gingen weiter auf der Karl-Von-Hahn-Straße. Diese wurde irgendwo überquert, nein nicht so wie man es den Enkeln beibringt, links schauen, rechts schauen, links schauen, sondern gemütlich über 100 Meter mitten auf der Straße. Zum Glück nichts passiert.

Doch, Gotthard stand plötzlich alleine in einer ihm fremden Stadt.

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm…

Wie es eben bei einer Herde so ist, folgen die Mitglieder dem Leithammel. Aber der hatte in einer anderen Straße geparkt als Ludwig, bei dem Gotthard mitfahren sollte. Freudenstadt war auch für Ludwig fremdes Terrain und somit heftete er sich, nachdem er zweimal verzweifelt den Namen Gotthard durch die Siedung gebrüllt hatte, an die Stoßstange von Gerhard, verließ die riesige ihm unbekannte Stadt und überließ seinen Kameraden einfach seinem Schicksal. Tage später erst wurde Klarheit geschaffen. Gotthard wurde von seinem Enkel abgeholt, denn Beate hätte ihn noch ne Weile stehen lassen. Inzwischen hat das DienstagsWanderergericht sein Urteil gefällt: Gotthard muss am nächsten Dienstag eine Flasche Wein bezahlen, weil er sich nicht hinter seinem Fahrer eingereiht hat. Ludwig ebenfalls, weil er seinen Kameraden einfach im Stich gelassen hat. Die Geschworenen wurden beauftragt, zu überlegen, ob man ab dem nächsten Jahr für jeden ein Notrufarmband anschaffen soll. Noch ist keine Entscheidung gefallen, deshalb der verspätete Bericht. (Ha, ha, kicher, kicher).

 

Eine Antwort auf „Wer eine Reise tut, der kann auch was erzählen.“

  1. Was für eine Weltreise und das in unbekannte Gefilde.
    Aber mit Humor geht alles. Super und eine Freude, den Bericht zu lesen. Herzlichst Ursel

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