Zeitreise ins 11.-16. Jahrhundert – Vortrag von Fritz Peter gut besucht

Leinstetten und Bettenhausen mit der Burg und Veste Lichtenfels zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert

“Die Geschichte der Edlen von Leinstetten und die der Edlen von Lichtenfels”, so lautete das Motto des Vortrags von Historiker Fritz Peter am vergangenen Sonntag im Lindensaal in Leinstetten.

Evelyn Bronner von der Bürgerwerkstatt begrüßte zahlreiche Besucher sowie Fritz Peter, den Referenten des Vortrags und zeigte sich erfreut, daß so viel Interesse an der Geschichte von Leinstetten und Bettenhausen gezeigt wurde.

Fritz Peter, der sich immer mehr und intensiver in die Geschichte des Ortes vertieft erklärte, daß man jetzt durch das Internet neue Zusammenhänge der Geschichte dieser Raumschaft hat und er in vielen Archiven mehr darüber entdecken konnte.

“Die Geschichte der Edlen von Leinstetten”

Die erste Nennung des Ortes fällt in das Jahr 1085 mit der Gründung der Priorei St. Georg in Reichenbach im Murgtal mit der Schenkung von weitreichenden Gütern miteinander verwandter Adelsfamilien. Es waren dies die von Siegburg, Salzstetten, Hallwangen, Leinstetten, Hopfau, Grünmettstetten, Altheim, Horb und Altensteig. Erstaunlich, dass um 1100 ein Rudolf von “Waltdorf” Dienstmann Adelberts von Altensteig 2 Höfe und einen Teil der Kirche von Leinstetten dem Kloster schenkte. (Oberamtsbeschreibung Amt Nagold von 1862, nach dem Württ. Urkundenbuch mit Schenkungen für die Priorei Reichenbach).

Hierzu erklärte Fritz Peter, daß die ganze Geschichte nur durch Urkunden über Verkäufe, Verpfändungen und Beleihungen zu einem Ganzen zusammengefügt werden kann, da früher noch keine Kirchenbücher geführt wurden und so keine Nachweise über über die Familien direkt vorhanden sind.

Der Stammbaum der Edlen von Leinstetten reicht also in das Jahr 1085 und aus dem Schenkungsbuch für Kloster Reichenbach wissen wir auch von seinem Bruder Hartnid und dessen Sohn Birthelo. Der Adelssitz dürfte neben dem Dorf eine Wasserburg an der Einmündung des Heimbachs in die Glatt sein. Am Wappen mit den 3 roten Sternen auf silbernen Grund kann man die Verwandtschaft zu Hochmössingen und Rüti nachweisen.

Die Brandecker in Sterneck hatten silberne Sterne auf blauem Grund. Aus Urkunden tauchen die Ritter von Leinstetten mit Hug 1279 und Conradt 1300 und 1312 auf. Eine große Rolle spielte die Schlacht in den Kreuzwiesen bei Leinstetten, bei der am 17. April 1298 Graf Albrecht der II von Hohenberg-Haigerloch gefallen ist.

Schlacht auf den Kreuzwiesen
Schlacht auf den Kreuzwiesen

Hier beginnt die Verbindung zu den Grafen von Hohenberg.

Erhalten ist im Archiv die erste Belehnung des Hans von Leinstetten am 3. Mai 1359 durch Graf Rudolph von Hohenberg, der mit Ida von Toggenburg verheiratet war, mit 2 Teilen der Burg Leinstetten und 2 Teilen des Dorfes Leinstetten mit allen Rechten zu nutzen, wie das die Ritter von Leinstetten schon immer zum Gebrauch hatten. Das beweist auch, dass 1 Drittel des Dorfes und 1 Drittel der Burg persönliches Eigentum waren. Durch den Verkauf der Grafschaft Hohenberg 1381 an Herzog Leopold von Habsburg kam das Rittergut als Lehen an die Habsburger und blieb bis 1805 zu Vorderösterreich gehörend.

Zahlreiche Urkunden belegen die Bedeutung der Ritter von Leinstetten, die auch ein Haus in Rottenburg, dem Verwaltungssitz der Habsburger hatten. Besondere Bedeutung hatten diese im 15. Jahrhundert als Graf Eberhard IV Henriette von Mömpelgard heiratete. Als diese früh Witwe wurde bekam sie für ihre minderjährigen Söhne ein Vormundschaftsregierung aus 32 Räten und darunter waren Stefan und Hans von Leinstetten, die dann nach der Landesteilung zur Herrschaft von Ludwig in Urach kamen. Stefan verkaufte an seinen Vetter Hans das Rittergut Leinstetten und  wurde 1454 für 14 Jahre Hofmeister der Erzherzogin Mechthild in Rottenburg und verbrachte die letzte Zeit bis 1480 als Obervogt von Zavelstein für den Württemberger Grafen Eberhard im Bart.

Ein Bruder von Stefan war Hugo von Leinstetten, der als Mönch ins Kloster Alpirsbach ging, in Wien studierte und 1414 als 21. Abt des Klosters gewählt wurde. Er hatte eine sehr erfolgreiche Geschichte, denn er beteiligte sich am Konzil von Konstanz, lies sich vom Kaiser Siegismund die Privilegien des Klosters durch Urkunde bestätigen und machte größere Bauvorhaben in seiner 18 jährigen Amtszeit. Am Nordturm sieht man noch heute sein Wappen mit dem Leinstetter Stern und verblasster Inschrift.

Hans von Leinstetten war als Obervogt für die Grafen von Zimmern in Herrenzimmern, Oberndorf und Rosenfeld tätig. Seine Kinder waren in den Klöstern Oberndorf, Wittichen, Reutin bei Wildberg und Kempten tätig und so verkauften diese die Herrschaft Leinstetten an Conrad von Bubenhofen, der zu dieser Zeit in Geislingen bei Balingen residierte.

“Die Geschichte der Edlen von Lichtenfels”

Eine weit verzweigte Geschichte rankt sich um die heutige Ruine “Lichtenfels” in Leinstetten, die ihrer mit Buckelquadern versehenen Schildmauer und den Schießscharten zur Bergseite hin,  eine Besonderheit darstellt. Ein Bauwerk dieser Größe konnten sich die Ortsadeligen gar nicht leisten und so weist dieser Bau auf die Herzöge von Teck hin, die zu gleicher Zeit am Heerweg mehrere Burgen errichten ließen. Dazu zählen die Burg in Schiltach, die Schilteck bei Schramberg und sicherlich auch die „Veste Lichtenfels“, die am Übergang des Heerweges über der Furt an der Glatt lag.

So tauchen unvermittelt die Lichtenfelser in Urkunden rund um den Lichtenfels ab 1300 auf und diese sind nach ihrem Wappen  – ein Beil und ein Flug – mit den Herren von Dettingen, von Bellenstein und Schilteck verwandt. Gleichzeitig hatten diese auch verwandtschaftliche Beziehungen nach Leinstetten. Sie hatten Höfe in Fürnsal, Besitzungen in Dietersweiler, Wittlensweiler, Böffingen und Dürrenmettstetten sowie Seedorf und Rottenburg. Durch Heirat waren diese auch mit der Reichsstadt Rottweil verbunden. Aber Anfang des 15. Jahrhunderts begann mit dem Verkauf sämtlicher Besitzungen der verschiedenen Familien,  der örtliche Niedergang. Auch die Lichtenfels kam nun in die Hand von Hans von Leinstetten. Größere Besitzungen gingen an das Kloster Alpirsbach.

1427 verkaufte Heinz von Lichtenfels seinen Teil der Burg an Graf Friedrich von Zollern, genannt der Öttinger. Dieser befestigte die Burg wieder und machte von hier aus Raubzüge gegen die Städte, nachdem vorher die Burg Zollern zerstört wurde. Das Heer der Reichsstädte und Württemberg belagert die Burg Lichtenfels, die schlussendlich 1428 gestürmt und zerstört wurde.

Angehörige der Lichtenfelser finden wir nach der Heirat Ende des 15. Jahrhunderts in Triberg und seit 1400 im Breisgau mit Opfingen und Neuershausen, jetzt Gemeinde March. Deren Kinder war am Dom zu Basel teilweise tätig und einer Melchior von Lichtenfels *1517 wurde Fürstbischof von Basel, der 1569 zum Bischof geweiht wurde. Die letzten Zeugnisse dieser Lichtenfelser findet man im Freiburger Münster mit der Lichtenfels/Krozingen Kapelle.

Vieles über die Geschichte kann in einem Buch mit der Chronik von Pfarrer Friedrich August Köhler “Leinstetten mit Bettenhausen und Lichtenfels” um 1816, das von Fritz Peter bearbeitet wurde, nachgelesen werden und ist erhältlich u.a. auf dem Rathaus in Leinstetten und in Dornhan

Nach diesem ausführlichen und hochinteressanten Vortrag bedankte sich Evelyn Bronner bei Referent Fritz Peter mit einem Präsent.

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