Die DienstagsWanderer in Stuttgart unterwegs

Bahn, Bus und Besen.

Dienstag, 11. Oktober 2022

Erste Ansage vom Stuttgarter Dienstagswanderer und Tourenleiter Peter:

Kultur hot no koim gschadet.

17 ausgeschlafene, erwartungsvolle Senioren trafen sich um 9:00 Uhr im Bahnhof in Horb. Routiniert zauberte Kamerad Fritz die Metropolkarten aus dem Automaten und auf Bahnsteig 3 unterhielt man sich über alles Mögliche und Unmögliche, bis endlich der IC um die Kurve kam. Vorschriftsmäßig maskiert wurde eingestiegen und nach einem Sitzplatz gesucht. Zweiersitze, die meisten von Einzelpersonen komplett eingenommen. Man wunderte sich schon, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Reisenden zwei Sitze für sich beanspruchen.

Wie immer begrüßte Tourenführer Peter die Gruppe am Ende des Bahnsteigs auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof und wie immer ging es schnurstracks in die Katakomben zum Metzger Kübler. Fleischkäsweckle, Fleischküchle oder Schweinebauch in der Auslage. 18 Männer bedeutete Schlangestehen bis weit vor den  Metzgerimbiss. „Mit Senf oder Ketschup?“ Antwort: „Ja“. – „Ja; waaas jetzt“? „ Senf“.  Na ja, vom Dorf in die Großstadt, da ist man schon aufgeregt. Unaufgeregt ließ man sich dann per Rolltreppe einen weiteren Stock tiefer fahren. S-Bahn nach Untertürkheim. Auf dem Spaziergang zur Bushaltestelle ein großes Schild – CVJM – Christlicher Verein junger Männer – was hat Peter wohl vor? Inzwischen heißt es ja – junger Menschen – aber auch das passte nicht.

Vor dem eigenwilligen Bau der Weinmanufaktur Untertürkheim musste man mit trockener Kehle auf den Bus warten. Peter hatte versucht, die Wartezeit mit einer Weinprobe zu verkürzen, was aber von der Bediensteten abgelehnt wurde. “Vorne einsteigen“ stand an der Bustüre. Egal, alle rein.  Dem Busfahrer was es auch egal. Rauf zum Rotenberg, einem Stadtteil von Stuttgart, und raus an die frische Luft. Zweite Ansage:

Das Wetter wird passen. Wir werden auch keine anstrengende Tour machen.

Mit herrlichen Ausblicken auf die Weinberge wanderte man hinauf zur Grabkapelle auf dem Württemberg, die König Wilhelm I. für seine Gemahlin Katharina erbauen ließ..

Ein edler Tropfen.

Dann zauberte Peter eine Flasche Rosé aus dem Rucksack (herzlichen Dank) und endlich konnten die Schmerzen in der Kehle gelindert werden. Linderung bedeutete nicht, dass sie verschwunden wären, es bedurfte noch einer zweiten und dritten Flasche, erst dann wurde es erträglich und es wurde schmerzfrei das Württembergerlied angestimmt. Stimmrein oder stimmgewaltig war der Gesang nicht, aber das sollte sich im Laufe des Nachmittags noch gravierend ändern. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto die dritte Ansage:

Es geht beinahe alles bergab. Dafür wird die Stimmung bergauf gehen, spätestens wenn wir im Besen ankommen.

Bergab durfte ein Winzer mit seinem Vollernter bestaunt und bewundert werden. Diese Maschine fegte in flottem Tempo mit ihren Riesenbürsten die Trauben restlos von den Stielen und Stängeln. Am gegenüberliegenden Steilhang musste allerdings noch von Hand gelesen werden. Dann war Uhlbach erreicht, ein nettes Winzerdorf, unschwer an den Straßennamen zu erkennen. Silvanerweg, Rieslingweg, Trollingerstraße, Müller-Thurgau-Weg. Da kam es dann wieder, das Brennen in der Kehle. Besonders bei Frontmann Bruno, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf das Dreimädelhaus zusteuerte.

Vierte Ansage:

Plätze sind reserviert.

Ja und so saß man dann in bester Stimmung im Besen, wurde mit süffigem Riesling versorgt, schmetterte ein von Walter angestimmtes “Ein Prosit“ durch den Kelller. Der Hunger wurde mit Fleischküchle, Schlachtplatte, Scheinebäckchen mit Knödel oder Bratkartoffeln gestillt. Perfekt.

Nach dem zweiten Viertele war dann von Schmerzen und Brennen keine Rede mehr. Es wurden zahlreiche Lieder gesungen, lustige Dialoge mit den sympathischen Bedienungen geführt und auch nach dem dritten Viertele war noch lange nicht Schluss. Aber irgendwann halt doch. “Kehr ich einst zur Heimat wieder“ schallte es zum Abschied durch den Besen, während man sich mit einem Schnaps, den die Chefin spendierte, schweren Herzens (Schrittes) verabschiedete. Natürlich mit dem Versprechen, wieder zu kommen. Versprochen. D Stugerder geleitete die Kameraden bis zum Hauptbahnhof, danach war man wieder sich selbst überlassen. Mit dem Maultaschenlied im Zug und einem lautstarken “So ein Tag, so wunderschön wie heute“ im Bahnhof Horb, trat man beschwingt den Heimweg an.

Oder so ähnlich?!

Bahn, Bus und Besen – schön ist es gewesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Antworten auf „Die DienstagsWanderer in Stuttgart unterwegs“

  1. Hallo Gerhard, hallo Peter. Könntet ihr diese Tour auch mal mit uns Frauen machen, wir sind vielleicht nicht so trink-und sangesfreudig wie unsere Männer, doch lustig wäre es mit uns sicherlich auch.
    Viele Grüße Agnes

  2. Gerhard, toller Beitrag!
    Wer bei dieser Beschreibung des Ausflugs nach Stuttgart nicht Lust bekommt, mitzumachen, ist nur zu bedauern.
    Das ist die beste Werbung für die Dienstagswanderer.
    Dees send halt älles klasse Kamerada!

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