Und immer wieder geht die Sonne auf…

Dienstag, 20. Dezember 2022

Nein, diesmal war es nicht die Sonne am Horizont, es war das Gasthaus zur Sonne in Glatten.

Und immer wieder bringt ein Tag für uns ein Licht…

Genau, und dieser Lichtblick ist nun mal der Dienstagnachmittag.

Die Glattener Fraktion der DienstagsWanderer wurde mit der Gestaltung des Nachmittags beauftragt. Es bedurfte schon einiger Anrufe bis Hans-Dieter und Manne endlich die Details abgesprochen hatten.

Gestartet wurde in der Ortsmitte und da Hans-Dieter um vollzähliges Erscheinen gebeten hatte, machten sich doch immerhin 16 Wanderer auf den Weg. Am Ortsende in Richtung Schopfloch musste gefahrvoll eine 200 m lange Strecke auf der Hauptstraße bewältigt werden. Außer einer Vollbremsung ist zum Glück nichts passiert. Vorbei am Fischbach durfte man nun entspannt am Lattenberg entlang wandern, bis Wanderführer Manne die Gruppe “Links ab“ in den Fischwang beorderte. Es dauerte, bis alle Senioren diese seltsame Bezeichnung verinnerlicht hatten. Fischfang, Fischlang? Ein in grausigem Zustand, der Natur überlassener Wald, schmerzte die zahlreichen Holzmacher  unter den Wanderern. Chaos, wohin man schaute.

Ein trauriges Bild.
Vorbeugung gegen Wurmbefall.

Da war schon gewaltig der Wurm drin. Nicht in den DienstagsWanderern. Hans-Dieter zauberte aus seinem Rucksack vermutlich das Bayern-Original-Schweißtuch von Oli Kahn, das dieser in seiner aktiven Laufbahn immer so achtlos in die Torecke geworfen hatte. Danach bot er  wundervollen Honig- und Zwetschgenschnaps an. Ein Baumstumpf wurde zur Bar umfunktioniert und dann mit einem Prosit die Kehlen desinfiziert. Weiter ging es auf einem eisglatten Waldweg unter tropfenden Tannen hinein in Maiers Wald. Auch hier war wieder eine Schluckimpfungsstation eingerichtet. Manne hatte seinen besten Zwetschgenstein-Schnaps aus dem Keller geholt und ihn bereits am frühen Morgen “hender d Holzbeig“ deponiert. Lobenswert, rührend, wie die Glattener um die Gesundheit ihrer Kameraden besorgt waren. Fast wäre doch noch die Sonne aufgegangen, als man über einen Pfad hinauf in das Naturschutzgebiet “Alte Egert“ wanderte. Es blieb aber bei einem zauberhaft, gelb-rot schimmerten Horizont. Nicht allen war dieser Anblick vergönnt, denn ein Teil der Wanderer hatte sich undiszipliniert von der Gruppe entfernt. Das war dem Wanderführer gegenüber schon “ a bissle respektlos“.

Zum Glück war das Gasthaus zur Sonne geöffnet. Angenehm warm, den runden mit einem eckigen Tisch verlängert, saß man wieder vereint in der gemütlichen Gaststube. Peter bat um ein Anstoßen auf den verstorbenen Kameraden Richard, der am 12. des Monats Geburtstag gehabt hätte.

Das Alpirsbacher Bier auf  legendären Schwanen-Brauerei Bierdeckeln schmeckte herrlich. Dazu eine Bauernbratwurst und eine Brezel. Dann noch das eine und andere Schorle, ein stimmungsvolles “Prosit der Gemütlichkeit“, reizvolle Diskussionsthemen, angereichert mit Paul’s spitzfindigen Kommentaren, machten den Nachmittag zu dem oben genannten “Lichtblick“.

Einen seltsamen Verlauf nahm die Unterhaltung, als bekannt wurde, dass sich der Glattener Gesangverein aufgelöst hat und Wanderkamerad Otto nicht mehr mit seiner Handorgel die Sänger unterstützen kann. Da wusste Paul eine spannende Anekdote, wie Otto zu seiner ersten Handorgel kam. Sein Vater kaufte ihm drei Mausefallen. Otto fing mit diesen an den schulfreien Nachmittagen auf den Wiesen die Wühlmäuse. 30 Pfennig pro Mäuseschwanz ergab irgendwann eine Handorgel. Bei Paul reichte es nur zu einer Kordhose, die immerhin 12 DM kostete. Ob er nun der schlechtere Mauser war, ob er zu spät damit angefangen hatte? Als Franz dann behauptete, dass er nie beim Mausen war, nahm die Diskussion einen Verlauf, der nicht jugendfrei und somit nicht dokumentierbar ist. Eine weitere offene Frage blieb unbeantwortet. Ist eine Strodel eine Wühlmaus oder ein Maulwurf? Jedenfalls konnte man vom Schwanz einer Strodel, so Paul, zwei machen, indem man am dicken Ende zwei Zentimeter abschnitt und es mit schwarzer Schuhwichse anstrich und diesen als Maulwurfschwänzle ablieferte. Also, aus eins mach zwei, das hieß: ein Maulwurf- und ein Wühlmausschwanz macht 60 Pfennig.

Zu guter Letzt beendete man den Nachmittag und auch das DienstagsWandererjahr mit einem “Schöne Feiertage“ und machte sich auf den Heimweg mit der Gewissheit:

Und immer wieder geht die Sonne auf. Egal, welche…

Allen Lesern frohe und friedvolle Weihnachten und ein gesundes, sorgenfreies Jahr 2023

 

 

Eine Antwort auf „Und immer wieder geht die Sonne auf…“

  1. Lieber Gerhard, da lacht mal wieder das Herz, wenn man Deine tolle Beschreibung liest. Natürlich kamen mir mit den Mausschwänzle auch so einige Dinge in den Sinn. Mein Großvater, Albrecht Dettling war damals Gemeindepfleger. Ihm wurden die Mausschwänze gebracht und er warf sie dann auf den Misthaufen. Das hatten die Buben schnell herausgefunden und holten diese wieder ab. Opa durchschaute jedoch das Spiel schnell und sie wurden, oh Graus, in den Ofen geworfen!
    Euch Allen wünsche ich ein gutes Jahr 2023 und viele tolle Unternehmungen. Grüße Ursel mit Rainer

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