Ein herrlicher Nachmittag im Badischen.

Dienstag, 14. Juli 2020

Nach einer landschaftlich wunderschönen Anfahrt über Zwieselberg, hinunter ins Wolftal, talwärts bis Walke und dann durch das ursprüngliche Erzenbachtal mit Blumen geschmückten, stattlichen Bauernhöfen, ging’s hinauf zum Kreuzsattel. Idyllisch, fast nur einspurig, ging es bergan, was Fritz aber völlig ignorierte, denn sein Bleifuss ließ sich nicht vom Gaspedal nehmen.

Na ja, wie so oft, die Ersten werden die Letzten sein. Kurz falsch abgebogen, drei Autos fuhren vorbei und Fritz kam als vierter Sieger auf dem Parkplatz an. Frohgemut wurde an der Kreuzsattelhütte gestartet, mitten im badischen Wald am Brandenkopf. 17 schwäbische Wanderer. Wie sagen die Badener gerne: Im Herbst haben wir den Nebel und im Frühjahr die Schwaben. Es war aber Sommer, also musste nicht unbedingt mit Spötteleien gerechnet werden. So wurde bei herrlichem Wetter dem Schild “Vesperstube Harkhof“ nachgewandert.

Angenehm ging es dahin. Teilweise mit atemberaubenden Ausblicken in die Schwarzwaldtäler, in denen sich angeblich der Oppenauer Pfeil- und Bogenmann versteckt haben soll. Vielleicht sollte man ihm vom am Wegesrand stolz blühenden Fingerhut etwas Gift verabreichen, damit er zur Vernunft kommt. Vor dem Abstieg zur Einkehr wurde noch eine kleine Schleife eingebaut, um die tolle Aussicht bis hinüber zur Burg Hohengeroldseck zu genießen. Die beste Fernsicht hatte man natürlich von der Sitzfläche der Stühle, die am Waldrand aufgebaut waren. Nur, die befand sich in über zwei Meter Höhe, eine Leiter gab es nicht, also musste geklettert werden.

Da hängen sie, zwischen Himmel und Erde.

Ein ganz besonderes Schauspiel. Unter den Anfeuerungsrufen der Kameraden versuchten Karl und Bruno sich hoch zu hangeln. Um sich mit den Armen hochzuziehen fehlte die Kraft, ist halt anders wie Bierkrüge stemmen, um sich mit den Beinen hochzustemmen, fehlte ein Trittbrett. So hingen sie da zwischen Lehne, Sitz und Boden, versuchten unter stöhnen und fluchen ein Bein hochzukriegen, zappelten hin und her bis endlich der Schwung hinauf gelang. Bravo.

Inzwischen hatte sich auch Westwegwanderer Hans zur Gruppe gesellt. Er war mit seinen gigaschlanken Wadeln tatsächlich von der Alexanderschanze alleine hergewandert. Auch ein Bravo. Nachdem wieder alle Bodenhaftung aufgenommen hatten, ging es schnurstracks hinunter zum Harkhof. Unter den Sonnenschirmen fanden alle einen Platz und gegen den Durst gab es unverzüglich, von einem jungen, feschen Madel serviert, ein Radler oder ein Weizenbier.

Ein Ketterer, weil Ketterer sind netterer. Wenig netterer war dann Paul, als er feststellte, dass er sich wie seine Tischnachbarn einen Wurstsalat bestellt hatte, obwohl er doch ein Paar Hausmacher Bratwürste essen wollte. Siegfried, der den sparsamen Schwaben raushängte und sich mit einer Wurst begnügte, wurde dann genötigt, ihm wenigsten ein Rädle zum Probieren abzugeben. Danach war der Frust wegen der Wurst noch größer, denn sie war ein Hochgenuss.

Seniorenteller oder so wie man schafft, so isst man!
Ein Bratwurst-Traum auf dem Harkhof!

So verbrachte man einen harmonischen Nachmittag auf der Terrasse des Harkhofes. Lothar hatte irgendwann an allen Sitzgruppen den Schatten gesucht, ging dann noch auf Besichtigungstour, während der Rest eben die besagten  Bratwürste bestellte. Egal, er hatte ja bereits einen Kuchen verspeist, dann brauchte er auch keine Wurst. Gegenseitige Fürsorge wird bei den DienstagsWanderern eben groß geschrieben. Manchmal.

Da bei 18 Männer das Bezahlen etwas dauert, zumal die einen gerade noch Getränke nachbestellt hatten, die anderen schon zum Abmarsch parat standen, während Siegfried soeben noch seine Wurst hinunterschlang, hatte Hans-Dieter und Wolfgang noch Zeit, sich mit der Seniorbäurin zu unterhalten. Sie kam aus ihrem reich bestückten Garten mit einem Eimer voller Johannisbeeren.

Schön, dass auch noch für ein Schwätzle Zeit blieb:

Auf dem Rückweg zum Kreuzsattel musste nochmals auf dem Westweg eine kleine Anhöhe erklommen werden, dann aber ging es wieder mit traumhaften Aussichten dahin.

Plötzlich kam da ein Vespa Fahrer dahergeschnattert. Ob es wohl der von der Polizei Gesuchte ist? Paul,  spontan wie er nun mal ist, hielt den Fahrer an, verlangte die Ausweispapiere, während einige Kameraden die stinkende Vespa umzingelten. Nach einem freundschaftlichen und lustigen Dialog in schwäbisch/urbadisch durfte der Mann weiterfahren.

Mit einem letzten “bis nächste Woche“  und “schee war’s“ an der Kreuzsattelhütte ging der Nachmittag zu Ende.

Einen guten Tag bekommst du nicht geschenkt. Du musst ihn dir machen.

 

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